An diesem Wochenende traf ich nicht nur den Osterhasen, sondern auch Iceman.

Samstag

Nach einer sehr unruhigen Nacht (das Kind ist gerade erkältet) klingelt mein Wecker um 6:30. Autsch. 45 Minuten später laufe ich mäßig motiviert und mit Kaffee von gestern zum Bahnhof.  Ich bin mit meiner regelmäßig eisbadenden Mutter verabredet. Wir fahren heute zu einem Workshop von Wim Hof alias „The Iceman“ nach Berlin.

Bei Regen unterwegs

Meine Mama hatte sich Anfang des Jahres dazu angemeldet und erst danach mitbekommen, dass der gesamte Workshop auf Englisch ist. Damit sie das Wichtigste versteht, habe ich – völlig naiv – angeboten, mitzukommen. Als ihre persönliche Übersetzerin quasi. Ich dachte, Wim Hof erzählt viel und dann machen wir ein paar seiner Atemtechniken.
Vor einer Woche meinte meine Mutter dann zu mir, ich solle den Badeanzug nicht vergessen. „Häh??“. „Na, wir werden auch ins Eiswasser gehen.“ „What?!“

Als ich am Bahnhof nochmal Christopher anrufe, um ihn etwas zu fragen, erfahre ich, dass das Kind zwei Minuten nachdem ich weg war auf die Lippe gefallen ist. Resultat: Tränen und Blut. Meine Reiselust rauscht gegen minus 100.
Wenigstens ist die vorbeiziehende Landschaft ganz nett.

Zufahrt unterwegs

Nach einer halben Stunde steigt meine Mutter zu. Sie gibt mir noch ein Formular, das ich für den Workshop unterschreiben muss. Darin sichern sich die Veranstalter unter anderem dagegen ab, dass ich sie im Falle einer Verletzung oder TOD nicht verklage. Whaaat??

Workshop agreement

Wir sind zu früh in Berlin. Also erstmal Kaffee. Ein Starbucks ist in der Nähe des gefürchteten Zielortes. Ich vergesse meinen Bammel vor dem Eis kurz über meiner Empörung, dass ein kleiner Milchkaffee inzwischen 3,35 Euro (!) kostet. Wir schlürfen ihn trotzdem, beobachten dabei die Leute draußen im Regen und quatschen.

Starbucks Kaffee

Dieser Tag nimmt mehrere ungewöhnliche Wendungen. Wir hatten eine eher gemütliche Zahl von Teilnehmern erwartet. Joa… es sind circa 200. Die meisten von ihnen athletisch aussehende Männer in meinem Alter. Ich freue mich jedenfalls: Bei so vielen Leuten fällt es nicht auf, wenn ich mich vor dem Eis drücke.
Auf der Bühne sitzt Wim Hof in Shorts. In denen ist er schließlich auch den Kilimanjaro hochgekrachselt. Oder einen Marathon im finländischen Schnee – ohne Training – gelaufen.

Die Stimmung ist ausgelassen. Hof witzelt, die Leute lachen. Sie lauschen andächtig und beklatschen einzelne seiner Aussagen. Ich finde das alles noch etwas merkwürdig. Aber das ist meine natürliche Reaktion, wenn eine Menschenmenge eine einzelne Person überschwänglich bejubelt.

Na jedenfalls flüstere ich meiner Mutter die deutsche Version des Vortrags so gut es geht ins Ohr.

The Iceman Workshop

In der Pause bietet sich ein skurriles Bild. Lauter Erwachsene Menschen stehen um ein aufblasbares Badebassin herum und philosophieren darüber, wie man die Welt retten kann. Ach ja, Berlin, manchmal vermisse ich dich schon ein wenig.

Männer und Bassin

Kurz darauf wird es ernst. Das Becken wurde mit Eis gefüllt und die ganz Entschlossenen können es kaum erwarten, ihre Körper hineinzutunken. Meine Mutter und ich bleiben erstmal skeptische Zuschauer. Sie, weil sie dieses kleine Badedingens für so viele Leute irgendwie unrealistisch findet. Und ich, naja… bin doch nicht verrückt! Außerdem friere ich schon mit dicker Jacke, vor allem als es noch anfängt zu regnen.

Wim Hof Methode

Und dann wird nicht lang gefackelt. Die erste Gruppe geht ruck zuck rein. Sie atmen, Wim leitet sie an. Er zählt von 10 runter und bei 0 dürfen sie wieder raus. Und das ist dann ein ziemlich toller Moment. Die Eisbadenden sind stolz und jubeln und alle Umstehenden klatschen ihnen Beifall. Ich weiß auch nicht, aber das war irgendwie mitreißend.

So mitreißend, dass meine Mutter und ich keine fünf Minuten später auch in diesem Eiswasser sitzen.

Wim Hof Eisbaden

Was soll ich sagen… es war kalt. Wir hatten die Anweisung, sobald wir im Wasser sitzen, sofort die Hände auf die Oberschenkel zu legen und uns vorzustellen, die Handflächen seien warm. Das war gar nicht so einfach. Die Kälte lenkte mich immer wieder ab. Aber irgendwie half es trotzdem, durchzuhalten und ruhig zu bleiben.

Der Moment des Aus-dem-Wasser-springens war am tollsten. Ich hatte es wirklich gemacht! Die Sache mit den Glückshormonen, von denen Wim zuvor ständig gesprochen hatte, da schien tatsächlich etwas dran zu sein. Ich war jedenfalls fröhlich und aufgeputscht – wie man auf diesem After-Eisbaden-Selfie erahnen kann.

Nach dem Eisbaden

Während wir uns abtrockneten, entdeckte ich zwei weiße Handumrisse auf meinen Oberschenkeln, der Rest des Körpers war rot. Leider erkennt man sie auf dem Foto nicht. Aber es sah ein bisschen so aus wie die Abdrücke in den Gesichtern der Uruk-hais aus Herr der Ringe, nur schöner irgendwie.

gut durchblutet nach Eisbad

Obwohl man angeblich weniger Essen braucht, wenn man mehr atmet, gehen wir nach dem Workshop noch in ein fancy Café und genehmigen uns leckeren Möhrenkuchen und extrem guten Kaffee.
Fancy Café

Danach geht es zurück nach Hause. Ich wurde über den Tag mit Fotos und kurzen Nachrichten auf dem Laufenden gehalten. Die Jungs hatten auch einen richtig schönen Tag zusammen.

Sonntag

Um 5:30 ist die Nacht vorbei. Während sich Christopher noch einmal hinlegt, spielen das Kind und ich eine Runde mit dem Holzobst, Bauklötzen und der Murmelbahn.

Steckspiel

Danach schaut es mir aufmerksam bei der Schokostreusel-Herstellung zu. Den Rest des Kuchens baue ich zusammen als Christopher wieder wach ist.

Kuchen backen

Gegen 11:00 geht es mit seiner Familie in den Garten zum Ostereiersuchen. Ich muss an Kirk denken und hoffe, dass wir tatsächlich alle finden.

Im Garten

Bei Christophers Mutter gibt es anschließend ein großes gemeinsames Osterfrühstück.

Frühstück mit Familie

Weil das Kind eigentlich noch einmal schlafen müsste, es drinnen aber viel zu trubelig ist, machen wir einen Spaziergang.

Spazierengehen mit Kind

Nach dem Kaffeetrinken fahren wir zurück nach Hause. Sonne, Regen, Wolken, Sonne. Das Wetter kann sich schon den ganzen Tag nicht entscheiden. April eben.

Aprilwetter

Wir spielen noch ein wenig zu dritt. Das Kind räumt den Eimer fürs Holzspielzeug komplett leer und Christopher macht Upcycling damit. Steht ihm echt gut, finde ich. Er würde sicher auch mit einer dieser Genadiermützen toll aussehen, die die englischen Soldaten vorm Buckingham Palace immer tragen.

Vater macht Faxen

Weil wir eine weitere unruhige Nacht erwarten, geht es für uns bald ins Bett.

Wie war euer Wochenende?

Noch mehr Wochenende in Bildern findet ihr bei Susanne Mierau von geborgen-wachsen.de