Ich glaube, dass ein Leben voller Kreativität, ein Leben, in dem wir Dinge selbst erschaffen, ein lebendigeres Leben ist.

Leider wurde der Begriff Kreativität in den letzten Jahren stark strapaziert. Jeder und alles soll ständig kreativ sein. Einige Unternehmen bauen sogar Spielplätze für ihre Mitarbeiter, weil das deren Kreativität beflügeln soll. Damit sie das originellste Konzept, die tollste App oder geilste Werbung erfinden. Mehr Kreativität bedeutet in diesem Fall mehr Profit. Diese ökonomisch verwertbare Kreativität meine ich aber nicht.

Die Kreativität, die ich meine, verfolgt keinen bestimmten Zweck, sie ist nicht ergebnisorientiert. Sie richtet sich auf den Prozess. Sie funktioniert nur mithilfe von Freiheit. Der Freiheit, seine eigenen Regeln aufzustellen. Der Freiheit zu experimentieren. Zu spielen.

Im Jetzt versinken

Ich bin davon überzeugt, dass diese Art der Kreativität belebend wirkt. Sobald wir uns ganz konzentriert einer Handlung hingeben – wie malen, singen, tanzen oder lesen – sind wir in diesem Moment auf unsere pure Existenz zurückgeworfen. Wenn wir unsere Vorstellungen, wie etwas „richtig“ oder „schön“ ist, loslassen, vergessen wir irgendwann die Zeit und geraten in einen Flow-Zustand. In diesen Augenblicken gibt es kein Gestern und seine Sorgen, keine Zukunft und deren Ängste. Es gibt allein das Hier und Jetzt. Gegenwart. In ihr fühlen wir uns am lebendigsten.

Ich kann das regelmäßig bei meinem Sohn beobachten. Wie versunken er teilweise wirkt, wenn er sich ganz ausgiebig mit einer Sache beschäftigt. Er ist dann vollkommen bei sich und dem, was er gerade tut. Er erwartet nichts. Kinder erleben diese Zustände noch deutlich häufiger als Erwachsene. Zwischen 20 bis 50 Mal am Tag. Doch im Laufe der Zeit schiebt sich der Verstand zwischen uns und den puren Moment. Er weiß zu viel, um ihn tatsächlich zu genießen.

Einfach mal nutzlos sein

Uns Erwachsene kostet es einiges an Anstrengung, wenn wir mehr von diesen selbstvergessenen Momenten erleben wollen. Denn dazu müssen wir uns regelmäßig und bewusst in den Zustand des Spielens bringen. Dinge einfach nur ihrer selbst wegen tun, ohne irgendeinen Nutzen daraus zu ziehen oder ein Ergebnis, womöglich noch ein tolles, zu erwarten. Das ist schwer. Denn wir haben gelernt, effizient und zielorientiert zu funktionieren.

Außerdem ist es nichts, was wir theoretisch erfassen und dadurch sofort umsetzen können. Um die eigene Kreativität, die Fähigkeit zum Spielen, wieder zu beleben, müssen wir es einfach tun. Ausprobieren. Scheitern. Es erneut versuchen. So wie ein Kind. Als wäre es das Normalste der Welt. Genauso wichtig wie atmen, essen, schlafen oder in der Erwachsenenversion: arbeiten.

All dies übe ich selbst noch. Mir fällt es oft schwer, kein tolles Endprodukt anzustreben, wenn ich zum Beispiel anfange zu malen. Das ist nur logisch. Denn es dauert eine Weile, die Denk- und Verhaltensmuster, die wir seit unserer Kindheit erlernt, trainiert und perfektioniert haben, zu verändern.

Ich habe mit ganz kleinen Schritten angefangen, damit mein innerer Widerstand bloß keinen Wind davon bekommt und mich in Ruhe probieren lässt.

In der Rubrik Art Up! findet ihr einige dieser Babyschritte. Nehmt sie gern als Anregung. Werdet kreativ! (: