Als ich noch kein Kind hatte, wollte ich niemals nur Mutter sein. In der Schwangerschaft war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, welche Art von Mutter ich sein würde. Ich wusste aber, dass ich länger brauchen werde, mich in der neuen Situation zurechtzufinden. Dass ich viel Zeit mit dem Baby verbringen möchte. Dass ich nicht nach wenigen Monaten wieder zurück in den Beruf könnte.

Mein Sohn ist jetzt zehn Monate alt und ich bin noch immer zu Hause. Das hat zwar mit einem Umzug und der Tatsache zu tun, dass ich deswegen meinen alten Job nicht mehr weitermachen kann. Aber es fühlt sich für mich richtig an.

Und genau deswegen habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen. Weil ich das letzte Jahr fast nichts anderes gemacht habe als Mutter zu sein. Weil mein Kind nicht mit einem Jahr in die Kita gehen wird. Weil hier noch nicht alles 50/50 läuft, obwohl wir das natürlich immer sofort wollten.

Ich höre zwei Stimmen in meinem Kopf – die der idealen Mutter und die der Feministin*. Beide sagen: Das kannst du doch nicht machen! Nur zu unterschiedlichen Zeiten und Dingen. Und beide nerven. Denn sie machen mir Druck.

Was davon bin ich?

Ich wurde auf jeden Fall anders erzogen als meine Brüder. Mehr zum Kümmern und Helfen, würde ich im Nachhinein behaupten. Gleichzeitig fand ich Kindesentwicklung schon immer faszinierend. Ich habe mir als Jugendliche freiwillig BBC Dokumentationen darüber angeschaut, Bücher gelesen und meinen elf Jahre jüngeren Bruder begeistert beim Großwerden zugeschaut.

Könnte es also sein, dass ich mich jetzt so gern um meinen Sohn kümmere, weil zufällig der Mensch Andrin Schumann Kinder total cool findet? Klingt irgendwie einleuchtend. Gleichzeitig werde ich es nie genau sagen können, denn das gesellschaftlich geprägte Bild von einer Frau und Mutter ist nun einmal, dass sie sich vorrangig und liebend gern um die Kinder kümmert.

Deswegen frage ich mich manchmal, inwiefern bin ich das und inwiefern äußert sich darin meine Sozialisation? Inwiefern kann ich etwas dagegen tun und inwiefern will ich überhaupt etwas dagegen tun? Und wenn ich nichts dagegen tue, gerate ich dann in diese böse „Mutterfalle“? Oder im Gegenteil: Würde ich mich nicht selbst verraten, wenn ich ständig angestrengt versuchte, bloß nicht zu sehr Mutter zu sein?

Als ich schwanger war, wurde ich von meiner damaligen Arbeitgeberin darum gebeten, doch bitte über dem Muttersein nicht meine Intelligenz „verkommen“ zu lassen. Der Spruch hat mich damals irritiert. Ist es denn nichts, ein Kind großzuziehen? Ich fand und finde es das Schwerste. Und es erfordert durchaus Intelligenz, kognitive wie emotionale.

Das große Dilemma besteht wohl darin, dass die Arbeit, die Eltern zu Hause für ihre Kinder machen, gesellschaftlich noch immer viel zu wenig anerkannt wird. Und ehrlich gesagt: Das begreife ich nicht. Es ist der härteste, aber auch sinnstiftendste Job, den mein Partner und ich jemals gemacht haben. Immerhin tragen wir die Verantwortung für ein Menschenleben und haben riesigen Einfluss darauf, wie sich dieser kleine Mensch später durch unsere Welt bewegen wird. Was bitte könnte bedeutender sein? Wieso um Himmels Willen habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mehr Zeit und Herzblut dafür investiere als gedacht? Das ist absurd.

Mein Tempo bitte

Ich möchte nicht ewig zu Hause bleiben. Aber noch eine Zeit lang. So lange, wie es sich für mich und uns passend anfühlt. Gleichzeitig merke ich, wie meine eigenen Bedürfnisse wieder stärker werden. Nach zehn Monaten wird es Zeit, meine Träume und Pläne etwas abzustauben. Ich übe gerade, sie so ernst zu nehmen wie den Job als Mama. Denn natürlich bin ich als Mensch zufriedener, wenn ich mich auch über andere Dinge definieren und ausdrücken kann als nur über das Elternsein.

Ich weiß, dass ich immer Mutter bin, egal was ich tue. Die Frage ist: Was und wie viel mache ich sonst noch? Und wie verbinde ich alles miteinander? Ich schätze, das herauszufinden ist ein Prozess – so lang wie meine Zeit als Mama. Ich bin also erst gestartet.

Wie geht es euch? Seid ihr als Eltern so engagiert wie ihr es euch vorgestellt hattet? Oder doch ganz anders? Und: Seid ihr zufrieden wie es ist?

 

*Ich bin mir darüber im Klaren, dass es nicht DIE Feministin gibt, sondern viele verschiedene Strömungen und Anliegen.