In der letzten Woche stellte ich die Aufgabe, jemanden anzurufen und zu malen, was er oder sie in diesem Augenblick gerade sieht.

Das war für mich schwieriger als gedacht. Etwas zu malen, ohne es sehen zu können, hat mich echt herausgefordert. Ich wusste plötzlich nicht einmal mehr, welche Striche ich setzen muss, damit annähernd so etwas wie ein Buch dabei herauskommt. Fast die ganze Zeit begleitete ich meine Kritzeleien mit den motivierenden Worten: „Oh Gott, sieht das scheiße aus!“.

Erst hinterher machte ich mir das, was ich in der Aufgabenstellung selbst so schlau formuliert hatte, wieder bewusst: Es geht nicht um das Ergebnis, sondern um den Prozess! Mit dieser Haltung konnte ich meine Werke ohne die laute Kritikerinstimme anschauen und fand sie plötzlich nicht mehr total schrecklich, sondern ziemlich interessant.

Und der Prozess hat tatsächlich Spaß gemacht. Zuerst hatte ich meinen Bruder am Telefon. Seine Beschreibungen waren eher konfus (wie sein Zimmer 😉 ). Deswegen musste ich etwas improvisieren. Und ich mochte die kleinen Bemerkungen, die er zu einzelnen seiner Besitztümer machte, sehr.

Kritzelei am Telefon

Als zweites telefonierte ich mit einer Freundin, die ich seit 20 Jahren kenne. Ihre Beschreibungen – vor allem was die Position der einzelnen Gegenstände anging – waren unglaublich präzise. Trotzdem gab es auch hier Missverständnisse… es ist also keine realitätsgetreue Abbildung geworden. 😉

Doodle am Telefon

Ich hoffe, alle die mitgemacht haben, hatten genau so einmalige und lustige Telefonate wie ich. 🙂

Die fünfte Aufgabe

Und zack, hier kommt schon die nächste Aufgabe.

Material:
Legosteine. Alternativ auch andere Bauklötze oder Naturmaterialien.

Aufgabe:
Baue etwas.

Hashtag:
#artup_woche5

Notiz:
Die Aufgabe klingt ziemlich simpel. Aber wann hast du das zum letzten Mal gemacht? Wenn wir Legosteine zusammenstecken, schmeißen wir unsere Fantasie an. Wir denken uns Gebilde aus oder passen die Wirklichkeit an das Material an.

Kinder sind oft Meister darin. Beim Bauen lernen sie unglaublich viel, und zwar nicht nur motorisch. Sie spielen nach, was sie erlebt oder gesehen haben und begreifen so ihre Umwelt.
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich einmal zu meinem kleinen Bruder ins Zimmer kam – er muss in der 5. Klasse gewesen sein – und ihn fragte: „Na, was baust du Schönes?“. Seine Antwort: „Ein Konzentrationslager.“ Im ersten Moment dachte ich: What? Aber dann fiel mir ein, dass er dieses heftige Thema gerade in der Schule im Sozialkunde-Unterricht hatte. Er verarbeitete es, indem er es nachbaute.

Keine Sorge, du musst nichts Kompliziertes (und auch nichts Schreckliches) bauen. Drei Bauklötzer können manchmal ausreichen, um eine ganze Geschichte zu erzählen. Der Illustrator Christoph Niemann (über ihn gibt es eine wirklich tolle Dokumentation in der Reihe „Abstrakt“ auf Netflix) mag Lego, weil es ihn zwingt, die Realität stark zu vereinfachen. Er baut die Freiheitsstatue und das Empire State Building aus neun, seine ganze Familie aus fünf Steinen. Man erkennt seine Gebilde erst, wenn man weiß, was sie darstellen sollen. Und genau das macht sie so spannend.

Tobt euch aus. Baut etwas nach, das ihr wunderschön oder total grauenvoll findet. Oder denkt euch etwas komplett Neues aus. Baut so detailliert oder abstrakt, wie ihr gerade Lust habt. Und versucht, dabei nicht allzu oft „Das sieht so sch*** aus!“ zu denken. 😉

Am kommenden Donnerstag veröffentliche ich meine Lego-Bauten. Und es gibt die nächste Aufgabe.
Bis dahin: Werdet kreativ! 🙂

Für alle, die neu hier sind und sich fragen, was es mit diesen mysteriösen Aufgaben auf sich hat, gibt es hier noch einmal alle wichtigen Infos. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal mit dabei seid!