In der letzten Woche stellte ich die Aufgabe, mit einem zufällig ausgewählten Wort ein Gedicht zu schreiben.

Ich schlug also ein Buch auf einer x-beliebigen Seite auf und ließ meinen Zeigefinger mit geschlossenen Augen darauf fallen. Doch bevor ich euch das Ergebnis verrate, kommt hier erst einmal das Gedicht:

liebe Frida
es ist 2017
offiziell weiß ich
nichts von dir
mehr als die anderen
wikipedia
nachts bist du da
wo kein Licht ist
ich sehe die Narbe
trinke Milch durch ein Hütchen
du lachst
ohne Ton
ich will meinen Namen
verleugnen, zerstückeln, begraben
es würde nichts ändern
warten seit 39 Jahren
drei bleiben noch
lauf
wenn du mich siehst
dein D. 

Nun zur Hintergrundgeschichte: Ich schlug also das Buch auf und erwischte mit dem Finger das Wort „HÜTCHEN“. Juchu, ich war minimal begeistert. So ein Wort würde ich niemals freiwillig verwenden. Ich fand es wirklich blöd, war drauf und dran zu schummeln und mir ein anderes zu suchen. Aber mein schlechtes Gewissen rief mir in Erinnerung, dass es ja um genau solche Herausforderungen bei diesem Spiel geht: das Zufallsergebnis anzunehmen, sich inspirieren zu lassen und irgendetwas daraus zu machen.

Das versuchte ich dann. Erst einmal schrieb ich alle Wörter auf, die mir in den Sinn kamen und sich auf „Hütchen“ reimten – in der Hoffnung dadurch einen Zugang zu diesem Buchstabenhaufen zu bekommen. Weil das nichts brachte, googelte ich das Wort. Dadurch weiß ich jetzt, dass Verkehrshütchen auch Leitkegel oder Lübecker Hütchen genannt werden. Okay.

Google erinnerte mich außerdem daran, dass es Still-Hütchen gibt. Sofort schoss mir ein Gemälde von Frida Kahlo in den Kopf, auf dem sie ihren Mann Diego Rivera säugt. Bäm. Das war mein Thema. Ich stellte mir vor, wie ein wiedergeborener Diego auf die erste Begegnung mit seiner Frida wartet. Klingt bizarr, deswegen ist es wohl prinzipiell auch schlau, nicht so ganz konkret über seine selbstgeschriebenen Gedichte zu reden. Aber hoffentlich hattet ihr ohnehin schon eigene Gedanken dazu. 😉

Na jedenfalls – als das Gedicht geschrieben war, wollte ich mir das Gemälde von Frida Kahlo noch einmal anschauen. Dabei stellte ich fest, dass es dieses Bild aus meinem Kopf so nicht gab. Ich hatte zwei ihrer Werke vermischt: Eines, auf dem sie Diego Rivera (nackt) im Arm hält („The Love Embrace of the Universe, the Earth (Mexico), Myself, Diego and Senor Xolotl“) und ein anderes, auf dem sie selbst gestillt wird („My Nurse and I“).
Erinnerungen sind einfach verdammt kreative Konstrukte.

Hier noch ein Bild, das meinen Schreibprozess etwas transparenter macht:

Kreativität und Achtsamkeit

Die fünfundzwanzigste Aufgabe

So, und nun beschäftigen wir uns mit der nächsten Aufgabe.

Material:
Ein Würfel, Papier, Stifte – gern in verschiedenen Farben.

Aufgabe:
Suche dir einen Gegenstand oder ein Gesicht, das du malen willst und lass es den Zufall tun. (Quelle: „Just draw it!“ von Sam Piyasena & Beverly Philp)

Hashtag:
#artup_woche25

Notiz:
In dieser Aufgabe gibst du die Kontrolle an den Würfel ab. Er bestimmt, was als nächstes geschieht. Du musst nur entscheiden, wo.
Jede Zahl ist einer bestimmten Zeichenmethode zugeordnet, nämlich:

1   zeichne mit deiner weniger dominanten Hand
2   schattiere mit Kreuzschraffur
3   kritzele drauf los
4   zeichne mit Lineal
5   zeichne einzelne Punkte
6   zeichne mit beiden Händen

Du kannst so oft würfeln wie du möchtest. Dein Bild wird sich nach und nach entwickeln, der Gegenstand oder das Gesicht immer deutlicher erkennbar. Aber versuche, nicht allzu viel nachzudenken. Höre einfach auf den Würfel und dein Gefühl.
Wenn du mehrere Farben verwendest, kannst du diese auch einer bestimmten Zahl zuordnen (eins = blau, zwei = grün, drei = rot, usw.).

Am kommenden Donnerstag veröffentliche ich mein würfelgesteuertes Gemälde. Und dann gibt es die nächste Aufgabe. Bis dahin: Werdet kreativ! 🙂

Für alle, die neu hier sind und sich fragen, was es mit diesen mysteriösen Aufgaben auf sich hat, gibt es hier noch einmal alle wichtigen Infos. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal mit dabei seid!

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