Vor zwei Woche stellte ich die Aufgabe, dir einen Gegenstand zu suchen, den du nicht magst, und für ihn eine Geschichte zu erfinden.

Ich melde mich also exakt eine Woche später als verabredet. Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass ich einer Idee auf der Spur war. Quer durch die Stadt. Eine Idee, die nichts mit dieser Aufgabe zu tun hat und für die es noch zu früh ist, um über sie zu sprechen. Eine, die sich hartnäckig hält. Ich habe in den vergangenen zwei Wochen also versucht, mir eine möglichst realistische Zukunft mit dieser Idee vorzustellen. Da war kein Platz für erfundene Geschichten aus der Vergangenheit… bis mich heute Morgen um 6:00 ein Einfall weckte.

The Gegenstand

Das Objekt meiner Wahl ist ein Flaschenöffner mit Armen und Beinen aus Plastik. Er ist rostig, kann dafür aber stehen (wie viel Wettbewerbsvorteil verschafft einem das wohl in der rauen Welt der Öffnungswerkzeuge?).

Ich finde ihn nicht besonders hübsch, aber er gehört seit unbestimmter Zeit zum harten Kern unseres Kücheninventars. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist.

The erfundene Geschichte of the Gegenstand

Kurz nachdem ich nach Berlin gezogen war, lud mich eine Kommilitonin zu ihrer WG-Party ein. Als ich ankam, kannte ich dort niemanden. Nach drei Stunden verließ ich die Party mit Leonardo. Wir mussten in die gleiche Richtung.

Doch statt am Schlesischen Tor in die nächste U-Bahn zu steigen, liefen wir die Skalitzer Straße entlang. Und redeten. Über Berlin und die Städte, in denen wir aufgewachsen waren, über Selbstsabotage und den tragischen Tod von Lady Di. Am Kottbusser Tor merkten wir, dass wir Hunger hatten. Wir kauften Falafel bei Maroush und setzten uns an den Rand des Bürgersteigs.

Plötzlich stand ein Mann mit verquollenem Gesicht und zerschlissenem Flanellhemd vor uns. Er hatte einen Beutel von Lidl dabei und zog einen Flaschenöffner daraus hervor. Dann startete er seinen Verkaufsmonolog. Die Botschaft: Dies sei kein gewöhnlicher Flaschenöffner, nein, viel mehr handele es sich sozusagen um die Vorstufe des heiligen Grals. Denn man könne mit diesem wundersamen Werkzeug nicht nur Gefäße gefüllt mit Bier öffnen, sondern auch an andere Lebenselixiere wie Cola oder exotische Limonaden gelangen.

Wir hatten noch ausreichend Alkohol im Blut, um seine Verkaufsargumente nicht nur lustig, sondern auch ein bisschen brillant zu finden. Leonardo gab dem Mann statt der verlangten zwei schließlich fünf Euro. Dann gingen wir in den nächsten Spätshop, kauften uns die am heiligsten anmutende Flasche (aka ein Tannenzäpfle) und wanderten weiter. Das Downgrade des Heiligen Grals wurde zur Ikone dieser Nacht. Wir trugen es abwechselnd übertrieben bedächtig, mit ernster Miene bis zum nächsten Lachanfall.

Irgendwann gegen Sonnenaufgang stieg ich in den Bus. Leonardo habe ich danach nur in Form einer Freundschaftsanfrage auf Facebook wiedergesehen. Der Öffner wohnt noch immer bei mir.

Allgemeiner Hinweis: Die Geschichte setzt sich aus wahren und frei erfundenen Begebenheiten zusammen. Über deren Gewichtung und Anordnung schweigt die Autorin.

Die vierundzwanzigste Aufgabe

Wandern wir zur nächsten Aufgabe.

Material:
Ein Buch und Inspiration. Papier und Stift.

Aufgabe:
Nimm dir ein Buch, schlag es auf einer x-beliebigen Seite auf, schließe die Augen, zeige mit deinem Finger auf irgendeine Stelle dieser Seite. Öffne die Augen und schreibe ein Gedicht mit dem Wort, das du siehst.

Hashtag:
#artup_woche24

Notiz:
Ja, ein Gedicht. Das klingt schwierig, ein bisschen wie eine Schulaufgabe, könnte aber mehr Spaß machen. Denn weitere Vorschriften gibt es nicht und so ein Gedicht kann ganz schön viele Formen annehmen: Es darf kurz oder lang sein, sich exakt oder überhaupt nicht reimen, einen konkreten Moment oder undurchschaubares Gefühlschaos beschreiben.

Das Wort, auf das du zeigst, soll deine Kreativität anstaksen. Es ist ein willkommener Wegweiser, nichts woran du dich strikt abarbeiten musst. Vielleicht taucht es im endgültigen Text auf, vielleicht ist es aber auch unterwegs verloren gegangen. Lass dir jedoch nach dem Schreiben ein paar Augenblicke Zeit, um den Prozess zu reflektieren. Wie ging es dir beim Dichten? Fiel es dir leicht oder hattest du Startschwierigkeiten? Wie geht es dir jetzt mit deinem fertigen Gedicht? Hättest du Lust, es jemandem vorzutragen?

Am kommenden Donnerstag veröffentliche ich mein Gedicht. Und dann gibt es die nächste Aufgabe. Bis dahin: Werdet kreativ! 🙂

Für alle, die neu hier sind und sich fragen, was es mit diesen mysteriösen Aufgaben auf sich hat, gibt es hier noch einmal alle wichtigen Infos. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal mit dabei seid!