In der letzten Woche stellte ich die Aufgabe, einen Brief an dich zu schreiben – einmal als deine Angst und einmal als deine Neugier. Zugegeben, diese Aufgabe war ganz schön zeitintensiv. Aber diese Zeit zu investieren, hat sich – für mich zumindest – echt gelohnt.

Um erst einmal reinzukommen in dieses merkwürdige Gedankenkino, befasste ich mich damit, welches überhaupt meine Ängste sind. Ich listete alles auf, was mir einfiel. Und schon kam die erste Erkenntnis. Neben den großen, schrecklichen Dingen, vor denen wir wahrscheinlich alle Angst haben, standen da fast nur Dinge, die genau so eigentlich schon eingetroffen sind. Vieles davon hatte mit Selbstsabotage, sich im Kreis drehen und nicht vorankommen zu tun – ich habe davor Angst, während ich diesen Zustand quasi zementiere. Gut, dass ich das nun zumindest aktiv erkannt habe. So bin ich dem Gedankenstrudel- Ausgang ein ganzes Stück näher gekommen, denke ich.

Als nächstes versuchte ich, mir meine Angst bildlich vorzustellen. Sie in eine Art Wesen, mit dem ich kommunizieren kann, zu verwandeln. Erst dachte ich, sie würde aussehen, wie die Zahnteufel in Kinderbüchern dargestellt werden – fiese, kleine, hässliche Geschöpfe, die es kaum erwarten können, Ärger zu machen. Zu meiner Überraschung ähnelte die Angst dann aber eher einer sehr schüchternen, zierlichen Streberin aus einem Independent-Film (mit tiefgründigen Figuren uns so ;)). Klar, sie ist besserwisserisch und kann – wenn es darauf ankommt – unglaublich ausrasten. Aber eigentlich ist sie einfach auf Sorgfalt und Harmonie bedacht. Sie braucht Lutschbonbons, um sich zu beruhigen und hat immer ein Taschentuch dabei.

Dann schrieb ich den Brief aus ihrer Perspektive und das war der härteste Teil der Aufgabe. Emotional gesehen. Auf der dritten Seite musste ich mich durch einen Tränenberg schreiben, denn die Angst (beziehungsweise ich als die Angst (ein bisschen weird ist es schon…)) traf einige heftige Punkte. Doch ich schrieb keinen Hassbrief an mich selbst, wie ich es vielleicht erwartet hatte. Nein, die Angst war sehr verständnisvoll und reflektiert, erklärte mir genau, warum ihr bestimmte Dinge wichtig sind, warum sie mir manches zu tun „erlaubt“ und bei anderen Dingen wiederum Alarm schlägt. Und das Beste: Sie hat sogar Humor.

Im nächsten Schritt stellte ich mir meine Neugier vor. Optisch ist sie meiner Angst nicht unähnlich – allerdings die Pippi-Langstrumpf-artige und etwas kräftigere Version von ihr. Sie trägt immer ein Notizbuch bei sich und hat ihre Taschen voller Fundstücke. Diese Neugier ist eine ziemlich coole Socke und lässt sich durch nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Ihr Brief an mich fiel dann auch sehr positiv und motivierend aus, obwohl sie durchaus Wünsche und Kritikpunkte hatte. Zum Beispiel, dass ich ihr leider nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit schenke, die meine Angst von mir bekommt. Jaaa… da ist was dran.

Nach diesen beiden Briefen musste ich erst einmal eine Pause einlegen. Ich war erschöpft. Emotional, aber auch körperlich (meine rechte Hand tat vom Schreiben weh^^).
Aber es fehlten ja noch meine beiden Antwortbriefe. Die Vorgabe war, sie möglichst respektvoll zu formulieren. Das war jetzt, wo ich Angst und Neugier genauer kannte, nicht schwer.

Der Angst schrieb ich, welche Bedenken ich teilte und wie ich Lösungen dafür finden wollte. Andere ihrer Sorgen versuchte ich durch Argumente zu entkräften und sprach eigene Wünsche aus. Der Neugier versprach ich mehr Zuwendung und bat gleichzeitig um Geduld, denn die Angst hat da schließlich noch ein Wörtchen mitzureden.

Ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass ich meine Angst nach diesen beiden Briefen deutlich lieber mag als zuvor. Und sicherlich am wichtigsten: Ich kann sie besser verstehen und damit auch annehmen. Was wiederum bedeutet: Ich kann besser mit ihr leben. Eine schöne Aussicht, finde ich.
Und meine Neugier kann ich nun, da ich sie vor Augen habe, nicht mehr so leicht verdrängen und als etwas abtun, für das ich gerade keine Zeit habe. Sie ist ein genauso wichtiger Teil von mir wie meine Angst.

Und wie erging es euch mit den beiden?

Die sechszehnte Aufgabe

So, nun aber geschwind zur nächsten Aufgabe.

Material:
Farbkarten (gibt es kostenlos in jedem Baumarkt) ODER ein Malkasten. Papier und Stift.

Aufgabe:
Suche in deinem Alltag nach 3 Farben, die dir gefallen. Versuche, sie mithilfe der Farbmuster zu bestimmen (ALTERNATIVE: Male sie mit den Farben aus dem Malkasten nach). (Quelle: Keri Smith)

Hashtag:
#artup_woche16

Notiz:
Diese Übung hat – wie viele andere meiner Art Up!-Aufgaben auch – sehr viel mit Achtsamkeit zu tun. Denn für mich hängen Kreativität und Achtsamkeit sehr eng zusammen. Es geht darum, deine Umgebung genau zu beobachten. Vielleicht entdeckst du in dieser Woche Farben, die du noch nie zuvor wahrgenommen hast. Schreibe auf, wo du die Farben gefunden hast – vergiss auch deine Träume und Erinnerungen nicht.

Am kommenden Donnerstag veröffentliche ich meine gesammelten Farben. Und dann gibt es die nächste Aufgabe. Bis dahin: Werdet kreativ! 🙂

Für alle, die neu hier sind und sich fragen, was es mit diesen mysteriösen Aufgaben auf sich hat, gibt es hier noch einmal alle wichtigen Infos. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal mit dabei seid!