In der letzten Woche stellte ich die Aufgabe, den eigenen Kleiderschrank zu durchstöbern und ein Outfit zu kreieren, das man so normalerweise nicht tragen würde. Sich Mut anziehen, quasi.

Als ich anfing, in meinem Kleiderschrank zu wühlen, dachte ich erst: „Was hast du dir da jetzt wieder ausgedacht?“. Nichts sah auch nur annähernd nach einer gewagten Kombination aus. Doch ein paar Minuten später verpuffte die kleine Blockade und ich begann, Möglichkeiten zu sehen. Nacheinander fand ich drei neue Outfits und die Lösung für diese Aufgabe.

Sie war ziemlich simpel. Ich kombinierte einfach die beiden Teile, die schon seit einer halben Ewigkeit in meinem Schrank wohnen. Beides Klamotten, die ich auf ihre Weise sehr mag, aber mich noch niemals nie getraut habe, sie anzuziehen.

Das erste ist ein tütüartiger Rock. Ich hatte ihn gekauft, weil ich mir damals ganz sicher war, dass seine Zeit irgendwann kommen würde. Nun ja, bis gestern hing das Preisschild noch dran. Das zweite Teil ist eine Jeansbluse, die stark an die 90er erinnert – weil sie genau aus dieser Epoche des fragwürdigen Geschmacks stammt. Ich habe sie von irgendjemanden geerbt. Das ist so lange her, dass ich absolut keine Ahnung mehr habe, von wem. Jedenfalls erinnert sie mich an den Style von „Clarissa“ aus der gleichnamigen Serie. Die habe ich mit 12 Jahren geliebt.

Diese beiden sollten es also sein:

Als ich die beiden Ureinwohner zusammen anzog, fand ich das Ergebnis gar nicht mal so übel. Um ehrlich zu sein, war es genauso, wie ich es mir für diese Aufgabe gewünscht hatte.

Damit tatsächlich rauszugehen war aber nochmal eine andere Sache. An dem Tag, an dem ich mich traute, war mein Bruder zu Besuch. Er bestärkte mich darin, weil er fand, ich sähe cool aus. Auf meinem Weg durchs Treppenhaus fühlte ich mich trotzdem merkwürdig, so als würde ich zum Fasching gehen, irgendwie verkleidet. (Selbst- und Fremdwahrnehmung – gibt es da irgendwann ein Happy End?)

In Berlin wäre ich überhaupt nicht aufgefallen… hier in Magdeburg ist das nochmal eine andere Nummer. Trotzdem war es mir auf der Straße dann ziemlich schnell egal. Ich traf unterwegs ein paar Bekannte und dachte erst hinterher daran, dass ich ja anders aussah. Ob sie das wohl bemerkt hatten?

Weil es an dem Tag so heiß war, zog ich irgendwann die Bluse aus. Das fühlte sich an wie schummeln. Aber eigentlich war es fast die größere Herausforderung. Denn dieses Tütü-Teil wirkte aus meiner Perspektive riesig. Nachmittags auf dem Spielplatz fühlte ich mich damit etwas overdressed… und wie eine kleine Möchtegern-Fee, der leider der Zauberstab fehlt. Stärker als die Frage, ob ich mit diesem Outfit die Menschen um mich herum verstörte, war allerdings das YEAH!-Gefühl, weil ich es einfach mal durchgezogen hatte.

Und nichts war passiert. Es gab keine blöden Sprüche von Fremden oder Freunden. Selbst unangenehme Blicke habe ich nicht gespürt. Deswegen werde ich diese beiden Kleidungsstücke jetzt in mein Standardrepertoire aufnehmen und mit ihnen ein bisschen mehr Mut.

Wie erging es euch?

Die dreizehnte Aufgabe

Und ab zur nächsten Aufgabe.

Material:
Papier und Stift.

Aufgabe:
Bitte jemanden darum, dir etwas zu zeichnen.

Hashtag:
#artup_woche13

Notiz:
In dieser Woche kannst du dich etwas ausruhen und andere die „Arbeit“ machen lassen. 😉
Naja fast. Erst einmal musst du den Mut aufbringen, jemand anderen zu fragen, ob er oder sie dir etwas malt. Wen du fragst, wie viele Personen und was genau sie zeichnen sollen, bleibt ganz dir überlassen. Etwas relativ Simples wäre wahrscheinlich ratsam, damit dir nicht sofort ein abwehrendes „Das kann ich nicht!“ entgegenschlägt.

Versuche darauf zu achten, wie es sich für dich anfühlt, jemanden um eine Zeichnung zu bitten. Welche Reaktion erhältst du auf deine unerwartete Frage?

Ist der erste Schritt geschafft, schlüpfst du in die Rolle des Beobachters: Wo auf dem Blatt beginnt diejenige zu zeichnen? Wie hält er den Stift? Wie führt sie die Linien? Welche Körperhaltung nimmt er ein? Welche Gesichtsausdrücke nimmst du wahr? Versuche, wirklich nur zu beobachten und nicht direkt mit „Das sieht echt gut aus“ oder „Was wird das denn für ein Gekritzel?“ zu bewerten.

Das Bild ist fertig – und was passiert dann? Redet ihr darüber? Was denkst und fühlst du? Hat sich irgendetwas zwischen euch verändert?

Ich bin sehr gespannt auf diese Aufgabe, denn ich habe mir vorgenommen, mindestens eine Person um eine Zeichnung zu bitten, die ich noch nicht kenne.
Am kommenden Donnerstag veröffentliche ich meine erfragten Werke und es gibt die nächste Aufgabe. Bis dahin: Werdet kreativ! 🙂

Für alle, die neu hier sind und sich fragen, was es mit diesen mysteriösen Aufgaben auf sich hat, gibt es hier noch einmal alle wichtigen Infos. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal mit dabei seid!

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